Herausfordernd – aber machbar

Selbstfahrende Shuttles zum Hambacher Schloss Thema im Ortsbeirat – Tüv Rheinland hat vorerst keine Einwände

Von Steffen Gall

Monatliche Verkehrszählungen an verschiedenen Stellen, Fahrtests vor Ort mit allen in Frage kommenden Anbietern und regelmäßige Bürgerinformation: In der Sitzung des Hambacher Ortsbeirats am Donnerstagabend informierte Stefan Rouwen, Geschäftsführer der Mobility-on-Demand (MoD) GmbH, wie es mit dem Projekt „Selbstfahrende Elektroshuttles zum Hambacher Schloss“ in nächster Zeit weitergeht.

Wie berichtet, will MoD ab 2020 vier selbstfahrende Shuttles einsetzen, um Besucher zum Hambacher Schloss und zurück zu bringen. Das Bundesverkehrsministerium fördert das Projekt mit rund zwei Millionen Euro. Rouwen selbst bringt nach eigenen Angaben 1,3 Millionen Euro ein und spricht von weiteren Investoren. Frühestens ab 2020 könne sein Unternehmen mit dem Shuttleverkehr Einnahmen erzielen. Zwar sollen voraussichtlich ab dem dritten Quartal 2019 schon regelmäßig Shuttles auf der Strecke verkehren, für die Passagiere sollen die Fahrten in der Versuchsphase aber zunächst kostenlos sein.

Eine wichtige Hürde sei bereits genommen worden, informierte Kerstin Ullrich, die von Rouwen als Projektleiterin eingestellt wurde, am Donnerstag in der Ortsbeiratssitzung: Der Tüv Rheinland als zuständige Zulassungsbehörde sei in der vergangenen Woche vor Ort gewesen und habe die Strecke als „sehr herausfordernd – aber machbar“ bezeichnet. Auch die Hersteller der Shuttleanbieter, mit denen MoD in Kontakt stehe, hätten sich die Strecke bereits angeschaut. Als besondere Herausforderungen nannte Ullrich die teilweise fehlenden Befestigungen an den Straßen zum Schloss, die teils sehr engen Fahrbahnen in Hambach und die Tatsache, dass ein Großteil der Strecke durch den Wald führe. Man müsse prüfen, ob herunterhängende Äste das GPS-Signal der Elektroshuttles störe, wie sich die autonomen Fahrzeuge in den fließenden Verkehr einordnen könnten und so weiter.

Im kommenden Jahr sollen zunächst alle möglichen Strecken zum Schloss mit allen in Frage kommenden Anbietern von selbstfahrenden Elektroshuttles getestet werden, ergänzte Rouwen: „Wir wollen wissen, was technologisch möglich ist und wo wir verkehrstechnisch überhaupt fahren können.“ Erste Hinweise darauf soll aber noch in diesem Jahr eine zweitägige Testfahrt mit einem autonomen VW Golf bringen. Mit der Technischen Universität Kaiserslautern, die in der Test- und späteren Demophase mit im Boot ist, werde darüber hinaus eine Art Versuchsreihe entwickelt, um verschiedenen Streckenabschnitte genau unter die Lupe zu nehmen und dann auch darauf zu testen – möglicherweise auf kleinen Rundkursen, erläuterte Ullrich.

Die Projektleiterin hatte kürzlich für drei Tage eine Art Infopunkt in Hambach eingerichtet, um Fragen von Bürgern zu beantworten. Rund 50 Hambacher hätten die Möglichkeit genutzt und sich vor allem nach möglichen Strecken sowie der Sicherheit der Fahrzeuge erkundigt. Viele hätten sich auch besorgt gezeigt, dass der Verkehr durch die Shuttles noch zunehme. Diese Ängste seien unbegründet: „Ziel ist es, den Individualverkehr zu reduzieren“, so Ullrich. Darauf legt auch Rouwen Wert. An einem Tag im August habe man 720 Fahrzeuge gezählt, die zum Schloss gefahren seien. Mit einem Parkplatz für vielleicht 200 Autos und vier Shuttles könne man diese komplett ersetzen. „Es muss Vorteile bringen für den Ort und letztlich auch für ganz Neustadt“, betonte Rouwen.

Auf der Webseite www.hambach-shuttle.de will MoD regelmäßig über den Stand der Dinge informieren, Testergebnisse und Teststrecken veröffentlichen. Auch Fragen seien jederzeit willkommen. Ortsvorsteherin Gerda Bolz (CDU) und ihr Stellvertreter Pascal Bender (SPD) betonten, dass sie es begrüßen, dass das MoD-Projekt parallel zum Entwicklungskonzept für Hambach verfolgt werde.