Ohne Fahrer hinauf zum Hambacher Schloss

Fragen und Antworten: Shuttle-Service mit Elektro-Bussen startet 2019 – Bund unterstützt das Projekt mit Millionen-Zuschuss

Von Wolfgang Kreilinger

Neustadt. „Hinauf, hinauf zum Schloss“, riefen 1832 die Vorkämpfer für Meinungs- und Pressefreiheit auf ihrem Weg zum Hambacher Schloss. Den gleichen Ruf auf den Lippen haben die Pioniere der fahrerlosen Elektromobilität, die 2019 einen Shuttle-Dienst vom historischen Kern des Neustadter Ortsteils hinauf zum Hambacher Schloss anbieten wollen. Fragen und Antworten zu dem Forschungsprojekt.

Wer steht hinter der Idee? Stefan Rouwen (49), Ingenieur der Fachrichtung Elektrotechnik bei der BASF, war 2013 als Privatmann Sprecher der Bürgerinitiative, die sich erfolgreich in einem Bürgerentscheid gegen den Tunnel unter dem Neustadter Bahnhofsvorplatz einsetzte. Aus dem Engagement heraus entwickelte er Interesse für Verkehrsthemen und gründete die Mobility-on-Demand (MoD) GmbH, die mit mehreren Gesellschaftern 1,3 Millionen Euro bis 2020 einbringt, zwei Millionen Euro Zuschuss kommen vom Bundesverkehrsministerium. Projektpartner sind zwei Lehrstühle der Fachbereiche Stadtplanung und Bauingenieurwesen der Technischen Universität Kaiserslautern.

Wären das die erst fahrerlosen Shuttles im fließenden Verkehr? Im bayerischen Bad Birnbach fährt ein autonomes Shuttle, aber nur über eine Länge von 600 Metern. Die Bahn AG hat Pläne für die Hamburger Hafen-City. Auf dem Berliner Charité-Gelände und dem Wohngebiet der ehemaligen Benjamin-Franklin-Kaserne in Mannheim gibt es Teststrecken. Was Neustadt unterscheidet: Es geht um einer Distanz von über sechs Kilometern mit engen Gassen und sehr anspruchsvoller Topographie. Für die Shuttles gelten die normalen Verkehrsregeln, also keine „eingebaute“ Vorfahrt.

Wo kommen die Fahrzeuge her? MoD verhandelt mit drei Herstellern: zwei aus Frankreich, einer aus Deutschland. Ein Shuttle soll bis zu 300.000 Euro kosten und bis zu elf Sitzplätze haben. Die Größe ist vergleichbar mit einem VW-Bus (T6). Die Geschwindigkeit: zwischen 15 und 30 km/h. Die Elektromotoren sollen in der Nacht aufgeladen werden. MoD plant für die Demo-Phase 2019 mit zwei Shuttles, 2020 sollen zwei weitere dazukommen.

Wer passt auf, dass nichts passiert? Nach der Genehmigung durch den TÜV ist geplant, dass in jedem Shuttle eine Begleitperson mitfährt, die bei einem Zwischenfall eingreifen könnte – wenn nicht vorher schon die Sensoren Alarm schlagen. Langfristig gesehen ist eine Schaltzentrale geplant, von der aus via Bildschirm alle Fahrten überwacht werden.

Wird es einen Fahrplan geben und was wird die Fahrt kosten? MoD will den Service täglich von 9 bis 19 Uhr anbieten. Startpunkt soll ein Park & Ride-Parkplatz in Hambach sein. Nutzer können das Fahrzeug per App auf dem Handy anfordern, in der Demophase kostenlos. Im zweiten Jahr ist eine Verrechnung mit den Eintrittskarten für das Schloss denkbar. Preise sind noch nicht kalkuliert.

Wie reagieren die Hambacher auf das Projekt? Mit einer Mischung aus Skepsis, oft verbunden mit Fragen zur unbekannten Technik, und Vorfreude darüber, dass es konkrete Überlegungen gibt, die bis zu 350.000 Touristen im Jahr besser zu führen. Anwohner beklagen seit Jahren die hohe Verkehrsbelastung. MoD hat eine intensive Bürgerbeteiligung zugesagt.

Was passiert nach Ablauf des Projektzeitraums Ende 2020? MoD hat die feste Absicht, bei einem erfolgreichen Test mit selbstfahrenden Shuttles die Kernstadt und die Ortsteile von Neustadt flächendeckend ab 2023 miteinander zu verbinden.